Demenz: Fähigkeiten erhalten und durch Aktivierung fördern

15 März 2014

Fotolia 101410259 MRund 1,4 Millionen Menschen mit Demenz leben nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft derzeit in Deutschland. Weil die Deutschen immer älter werden, rechnen Experten mit einem Anstieg der Fälle auf 2 Millionen bis zum Jahre 2040.

Etwa sieben von zehn leiden an der Krankheit Alzheimer. Hierbei gehen Nervenzellen zugrunde und es bilden sich Ablagerungen im Gehirn, sog. Plaques. Die zweithäufigste Demenzform ist die gefäßbedingte (vaskuläre) Demenz. Etwa zwei von zehn Demenzerkrankungen werden durch Durchblutungsstörungen im Gehirn verursacht. Daneben gibt es noch weitere, eher seltene Formen.

Die meisten sind nicht heilbar. Ein geregelter Tagesablauf sowie eine liebevolle und tolerante Betreuung können die Situation für Betroffene und Angehörige aber erleichtern. Wichtig ist es auch, die Kranken zu aktivieren. Das kann dazu beitragen, ihre Selbständigkeit möglichst lange zu erhalten und den Verlust geistiger Fähigkeiten zu verzögern.

Es gibt eine Vielzahl nicht-medikamentöser Therapien. Welche Angebote sich eignen, hängt von der Art der Demenz, dem Stadium der Erkrankung, den Beschwerden, den Lebensumständen, der Persönlichkeit, der Lebensgeschichte des Kranken und den Bedürfnissen des Erkrankten und der Betreuenden ab. Beispiele für nicht-medikamentöse Therapieansätze sind:

 

Verhaltenstherapie

Diese Form der Therapie ist besonders für Menschen im Anfangsstadium einer Demenz geeignet. Viele Betroffene sind nach der Erstdiagnose verunsichert und haben Zukunftsängste. Einige gleiten in eine Depression ab, andere reagieren mit Wut gegen sich und manchmal auch gegen ihre Mitmenschen. Mithilfe psychologischer Unterstützung lernen sie, Probleme zu bewältigen und mit ihrer Erkrankung besser umzugehen.

 

Körperliche Aktivierung

Bewegungsprogramme können dazu beitragen, dass Menschen mit Demenz etwas länger mobil bleiben. Sie bestehen beispielsweise aus Geh-Übungen, Gymnastik, Kräftigungs- und Konditionstraining. Oftmals werden Bewegungstherapien im Rahmen einer Physiotherapie angeboten. Körperliche Aktivierung kann dazu beitragen Beweglichkeit und Balance zu erhalten.

 

Soziale Aktivitäten

Sie verbessern die Lebensqualität der Kranken und ihrer Angehörigen. Sie können von Gesprächsrunden übers gemeinsame Kochen und Musikhören bis hin zu Übungen wie Zähneputzen und gemeinsamer Bewegung reichen.

 

Künstlerische Therapien

Hier greifen vor allem Musik- und Kunsttherapie. Im Frühstadium nimmt nicht nur das Hören, sondern auch das Musikmachen eine wichtige Rolle ein. Die Demenzkranken singen gemeinsam oder benutzen Instrumente wie Trommeln, Triangel oder Xylofon. Im Spätstadium kann das Hören vertrauter Melodien beruhigen und Schmerzen lindern. Musik weckt positive Erinnerungen und Gefühle.

Die Kunsttherapie schafft es auf spielerische Weise, den Demenkranken zu aktivieren. Statt passiv zuhause mehr oder weniger allein vor dem Fernseher zu sitzen, hat er in einer Therapiestunde die Möglichkeit, selbst etwas zu tun, und zwar ohne Erfolgs- und Leistungsdruck. So kann er zum Beispiel mit Farben seine Stimmungen oder Erinnerungen ausdrücken.

 

Kognitives Training

Durch kognitives Training können Demenzkranke im frühen bis mittleren Stadium ihre Wahrnehmung, ihre Lernfähigkeit und ihr Denkvermögen schulen. Einfache Wortspiele in Einzel- oder Gruppentherapie kommen infrage. Auch Farben zu erkennen, Begriffe zu erraten oder Reime zu ergänzen, sind häufig gestellte Aufgaben. Auch Puzzles, Rechenaufgaben oder das Training von Alltagstätigkeiten wie das Einkaufen gehören hierzu.

 

Realitätsorientierung

Neben der leichten geistigen Stimulation nimmt auch die Realitätsorientierung eine wichtige Rolle ein. Das sogenannte Realitäts-Orientierungs-Training soll Demenzkranken helfen, sich räumlich und zeitlich besser zurechtzufinden. Dabei erhalten sie immer wieder grundlegende Informationen, etwa das Datum und die Uhrzeit.

 

Emotions- und identitätsorientierte Verfahren

Ein bekannter Ansatz ist die Selbsterhaltungstherapie mittels Validation. Dabei bringen Pflegende den Kranken Verständnis und Wertschätzung entgegen, damit dieser sich sicher und wohl fühlen kann. Bei der Reminiszenz-Therapie werden Menschen mit Demenz aufgefordert, von ihrer Heimat, Schulzeit oder Arbeit zu erzählen. Damit sollen Erinnerungen geweckt und gepflegt werden.

 

Autobiografische Arbeit – Erinnertes Leben

Die autobiografische Arbeit eignet sich vor allem im frühen bis mittleren Stadium der Krankheit. Durch gezielte Gespräche mit dem Erkrankten werden mithilfe von Fotos, Büchern und persönlichen Gegenständen positive Erinnerungen an frühere Lebensabschnitte wachgerufen. Dadurch behalten Demenzkranke sehr lange das Gefühl für die eigene Identität und fühlen sich im Alltag sicherer. Daneben nützt dieses biografische Wissen auch Angehörigen und Betreuende, um später Reaktionen und Äußerungen des Betroffenen besser zu verstehen.

 

Milieutherapie

Die Milieutherapie ist in allen Stadien der Krankheit sinnvoll. Sie zielt darauf ab, Wohn- und Lebensräume so umzugestalten, dass Betroffene sich darin wohlfühlen. Noch im späten Stadium können angenehme Materialien wie Holz und Stoffe sowie Düfte von bekannten Parfüms oder Lieblingsblumen positive Erinnerungen wecken und allgemeine Verhaltensstörungen lindern.

 

Ergotherapie

Die Ergotherapie hilft Betroffenen im frühen bis zum mittleren Krankheitsstadium Alltagskompetenzen möglichst lange aufrechtzuerhalten. So werden Tätigkeiten wie Einkaufen, Kochen oder auch das Zeitungslesen geübt.

 

 

Da es nur wenige gute Studien zum Nutzen von nicht-medikamentösen Therapien gibt, besteht noch Unklarheit darüber, wie gut diese tatsächlich helfen. Außerdem sind die Effekte meist relativ gering und langfristig meist nicht nachweisbar, da die Demenz sich aufgrund ihres fortschreitenden Verlaufs verschlechtert. Auszuschließen ist auch nicht, dass sich einige Verfahren manchmal ungünstig auswirken können. So können Betroffene durch Behandlungen auch überfordert werden und frustriert oder verwirrt reagieren.

Daher muss sich die Auswahl nicht-medikamentöser Therapie stets an der individuellen Situation des Demenzkranken orientieren. Um die Umsetzung des Gelernten im Alltag und Nachhaltigkeit zu gewährleisten sollten Angehörige in die Therapie mit einbezogen werden. Außerdem empfiehlt sich für die Betreuenden, regionale Entlastungs- und Hilfsangebote wahrzunehmen.

 

Lesen Sie in einer unserer nächsten Ausgaben hierzu mehr.

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