Wenn das Herz aus dem Rhythmus gerät

21 Februar 2017

Fotolia 58348436 MFast jeder Mensch ist im Laufe seines Lebens von Herzrhythmusstörungen betroffen. Diese können harmlos oder gefährlich sein. Oft sind sie nur unangenehm und nicht behandlungsbedürftig. So gibt es harmlose Störungen, die quasi als Fehlzündungen des normalen Herzens angesehen werden. Es handelt sich dabei meist um kleinere und nur kurzzeitig auftretende Störungen. Danach kehrt das Herz oft wieder in seinen geordneten Rhythmus zurück.

 

Wie entsteht der Herzrhythmus und warum treten Störungen auf?

Normalerweise erzeugt ein kleiner Bereich in der Herzvorkammer - der Sinusknoten - elektrische Impulse für den Herzschlag. Diese werden in die Herzkammern weitergeleitet und stimulieren dort den Muskel zu einem Pumpen. Bei einer Störung des Rhythmus werden entweder diese elektrischen Impulse nicht ordnungsgemäß erzeugt oder aber nicht richtig weitergegeben.

 

Wann sind Herzrhythmusstörungen krankhaft?

Von krankhaften Herzrhythmusstörungen spricht man erst, wenn sie häufiger wiederkehren, länger anhalten oder besonders stark ausgeprägt sind. Dadurch können Störungen im Blutkreislauf auftreten und die Blutversorgung des Körpers gefährden.

 

Die normale Herzfrequenz

Die normale Herzschlagfolge im Alltag beträgt 60 bis 100 Schläge pro Minute. Besondere Erlebnisse, Aufregungen oder auch körperliche Betätigungen lassen unser Herz anders schlagen. Das ist gut und ein ganz normaler Vorgang. Denn unser Herz ist kein monotones Uhrwerk und passt sich dem Alltagsgeschehen an.

Bei seelischer oder körperlicher Belastung kann der Puls ohne weiteres auf 160 bis 180 Schläge pro Minute steigen. Nachts hingegen sinkt die Frequenz bei vielen Menschen auf 45 bis 55 Schläge pro Minute. Diese Schwankungen werden als völlig normal angesehen.

Auch ist die Herzfrequenz in der Regel bei jungen Frauen etwas höher als bei Männern. Vermutlich, weil bei Männern die Ruhefrequenz durch häufige sportliche Betätigung absinkt.

 

Arten von Herzrhythmusstörungen

Generell gibt es verschiedene Formen von Herzrhythmusstörungen. Eine Herzfrequenz mit weniger als 50 Schläge pro Minute bezeichnet man als verlangsamt (Bradykardie) und eine Herzfrequenz mit mehr als 100 Schläge pro Minute als zu schnell (Tachykardie) – jeweils in Ruhe gemessen!

Beide Ausprägungen der Herzrhythmusstörung können lebensbedrohlich sein. Meist treten sie nach einer schweren Herzkrankheit auf, zum Beispiel bei Herzinfarkt, Herzmuskelentzündung, Herzmuskelschwäche, Herzklappenfehler oder aber bei angeborenen oder durch Bluthochdruck erworbener starker Verdickung des Herzmuskels.

Aber auch andere Erkrankungen außerhalb des Herzbereiches können den regelmäßigen Herzschlag durcheinander bringen. Hierzu gehören vor allem eine Überfunktion der Schilddrüse, schwere Lungenerkrankungen (z.B. Asthma Bronchiale, chronisch-obstruktive Bronchitis), Störungen im Mineralstoffhaushalt (z.B. Kalium- und Magnesiummangel).

Daneben können aber auch einige Medikamente, starke seelische Belastungen und auch Alkohol zu Herzrhythmusstörungen führen.

Bei extrem schnellen Herzschlag, von mehr als 150 bis 250 Schläge pro Minute, spricht man von Herzjagen.

Besonders häufig treten auch sogenannte Extrasystolen auf. Bei ihnen handelt es sich um zusätzliche Herzschläge, wodurch bis zum nächsten regulären Herzschlag kleinere Pausen eintreten können. Als Herzstolper oder kurze Aussetzer bemerkt werden sie zwar als störend empfunden, sind aber in der Regel ungefährlich.

 

Folgen von Herzrhythmusstörungen

Manche Patienten haben keine oder nur wenige Beschwerden, bei anderen rufen sie nur leichtere, vorübergehende Beeinträchtigungen hervor. Es gibt aber auch Herzrhythmusstörungen, die sehr unangenehm und auch gefährlich werden können und allein schon deshalb ärztliche Hilfe erfordern.

Erste Anzeichen können Müdigkeit oder Mattigkeit bei der Ausübung ganz normaler und gewohnten Tätigkeiten sein. Manchmal werden aber auch Herzstiche verspürt oder die Rhythmusstörungen gehen mit Schwindel, Unwohlsein, Schwächeanfällen, kurzer Bewusstlosigkeit, unbegründeten Angstgefühlen, Schweißausbrüchen oder Luftnot einher. Es können auch krampfartige Schmerzen in der linken Seite des Brustkorbes auftreten. Diese strahlen meist in die linke Schulter und/oder den linken Arm.

Im Extremfall können besondere schwere Herzrhythmusstörungen sogar lebensbedrohliche Auswirkungen haben. Glücklicherweise kommen solche Fälle aber nur selten vor.

 

Diagnose von Herzrhythmusstörungen

Im Allgemeinen kann der behandelnde Arzt durch eine gezielte Befragung, körperliche Untersuchung und durch ein Elektrokardiogramm (EKG) klären, ob eine krankhafte Herzrhythmusstörung besteht oder nicht. Zur Aufdeckung von strukturellen Auffälligkeiten wird im Zweifelsfall die Ultraschalluntersuchung des Herzens eingesetzt. Wesentliches Diagnostikum ist nach wie vor aber die Pulsanalyse.

 

Wie werden Herzrhythmusstörungen behandelt?

Zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen gibt es verschiedene Methoden.

So können tachykarde Herzrhythmusstörungen im Einzelfall mit Medikamenten behandelt werden. Nur bei lebensbedrohlichen Formen geht man zunehmend dazu über, den Patienten mittels eines Defibrillators zu schützen. Dieses Gerät ist mit dem Herzschrittmacher verwandt und wird dem Patienten ebenfalls eingepflanzt. Es registriert laufend die Herzschlagfolge und erkennt gefährliche Herzrhythmusstörungen innerhalb von Sekunden. Je nach Programmierung unternimmt es zuerst eine gezielte Stimulation um ein Ende der gefährlichen Rhythmusstörung zu erzwingen. Misslingt dies, wird in einem weiteren Schritt ein Elektroschock abgegeben, der die Herzrhythmusstörung mit hoher Sicherheit beendet.

Bei einer bradykarden Herzrhythmusstörung besteht in vielen Fällen die wirkungsvollste Behandlung in der Herzschrittmachertherapie. Das kaum streichholzschachtelgroße Gerät wird inklusive Batterie meist zwischen Brust und Schultergelenk unter die Haut eingepflanzt und über Sonden mit dem Herzen verbunden. Je nach Programmierung gibt es seine Impulse ab. Schwere Bradykardien sind sodann nicht mehr möglich. Wegen der allmählichen Abnahme der Batterieleistung muss das Gerät nach 10 bis 20 Jahren ausgewechselt werden.

 

Empfehlung

Herzrhythmusstörungen muss man erst nehmen, man darf sich aber nicht davon verrückt machen lassen. Betroffene sollten sich einen Arzt suchen, dem sie vertrauen und mit ihm gemeinsam gegen bedeutsame Herzrhythmusstörungen konsequent vorgehen.

Eventuell muss man auch seine mögliche Angst vor technischen Hilfsmitteln überwinden. Denn auch mit einem Defibrillator oder einem Herzschrittmacher kann man gut und lange leben, ohne andauernd an Herzrhythmusstörungen denken zu müssen.

 

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