Krankenhausaufenthalt für Demenzkranke gut vorbereiten

01 September 2016

Rund die Hälfte der Patienten in Allgemeinkrankenhäusern ist älter als 60 Jahre. Davon sind circa 12 Prozent von einer Demenzerkrankung betroffen. Müssen Demenzerkrankte plötzlich und unerwartet, aufgrund eines Bruchs, eines Schlaganfalls oder Herzinfarktes, in eine Klinik aufgenommen werden, ist Demenz meist nur eine Nebendiagnose. Oftmals werden Demenzerkrankungen erst während des Krankenhausaufenthaltes bemerkt, manchmal aber auch gar nicht. Handelt es sich hingegen um einen vorhersehbaren Aufenthalt, sollten die Familienangehörigen diesen mit dem Demenzkranken gut planen.

Denn in den meisten Fällen verschlimmert sich durch die ungewohnte Umgebung ihr verwirrter Zustand. Und die meisten Krankenhäuser sind bislang nicht auf demenzkranke Patienten vorbereitet. Momentan gibt es nur wenige Krankenhäuser die sich auf Demenzkranke spezialisiert haben.

Etwa die Hälfte der Demenz-Patienten, die in eine Klinik aufgenommen werden, entwickelt dort ein Verwirrtheitszustand (Delir). Wie eine wissenschaftliche Untersuchung des US-amerikanischen Massachusetts Alzheimers Disease Research Center ergab verschlimmert sich die Situation Demenzerkrankter während des Klinikaufenthalts weiter. Rund 43 Prozent der Patienten, die im Krankenhaus ein Delirium erlitten hatten, kamen innerhalb eines Jahres in ein Seniorenheim.

Grundsätzlich sollte jeder Krankenhausaufenthalt gut vorbereitet werden. Denn jeder Ortswechsel stellt für einen Alzheimer-Patienten einen erheblichen Einschnitt dar und ist mit viel Aufregung verbunden. In manchen Fällen verschlimmern sich die Orientierungsfähigkeit und der Allgemeinzustand des Demenzkranken durch eine Krankenhauszeit zusätzlich.

Nicht selten reagieren Demenzkranke im Krankenhaus mit Angst und Unruhe und versuchen die Klinik zu verlassen. Die unbekannte Umgebung ist ihnen fremd und unheimlich. Demenzkranke können sich vielfach nicht kurzfristig auf neue Umgebungen einstellen und verstehen nicht, wo sie sich befinden. Noch können sie begreifen aus welchem Grund sie in dieser fremden Umgebung sind. Und gerade nicht nachvollziehen zu können, was passiert erzeugt ein Gefühl von Hilflosigkeit, welches zu starker Unruhe und Abwehrverhalten führen kann.

Des Weiteren haben sie weder eine Krankheitseinsicht, noch können sie Auskunft über sich, ihre Beschwerden und Wünsche geben. Bei der Diagnose, der Behandlung und Körperpflege können sie nicht mitwirken und haben darüber hinaus Schwierigkeiten beim Essen und Trinken.

Hinzu kommt dann noch die Unruhe im Zimmer, hervorgerufen durch einen täglich mehrfachen Wechsel des Krankenhauspersonals. Also Menschen, die zur Visite oder Pflege kommen und gehen oder aber das Zimmer reinigen. Manchmal wechselt aber auch der Zimmernachbar und ständig erhält er Besuch von seinen Angehörigen, Freunden und Bekannten. All das belastet einen demenzkranken Menschen.

 

Was Angehörige tun können

Menschen mit Demenz benötigen ihre gewohnte Umgebung und einen geregelten Tagesablauf. Wenn beides in der Klinik fehlt leiden sie darunter. Angehörige sollten daher versuchen, so viel Zeit wie möglich im Krankenhaus zu verbringen. Um dabei nicht selbst auf der Strecke zu bleiben, sollte man sich mit anderen Angehörigen oder dem Demenzkranken vertrauten Personen abwechseln. Das gibt dem Demenzkranken Halt. Manche Kliniken bieten inzwischen auch die Möglichkeit zum Roming-in an, damit Angehörige auch über Nacht im Krankenhaus bleiben können.

Normalerweise entstehen der Begleitperson keine zusätzlichen Kosten für die Übernachtung. Von den Krankenkassen werden die Kosten der Mitaufnahme mit der Zahlung einer Pauschale abgegolten. Für die Kostenübernahme ist lediglich die Bestätigung des Krankenhausarztes über die medizinische und therapeutische Notwendigkeit der Mitaufnahme erforderlich. Auch kann der einweisende Hausarzt die Mitaufnahme einer Begleitperson empfehlen.

Zudem sollte das Krankenhauspersonal explizit darauf hingewiesen werden, dass eine Demenzerkrankung vorliegt und dass hieraus auch Probleme auftreten können. Am besten wird auf einer Checkliste vermerkt, wie der Tagesrhythmus aussieht, welche Dinge und Situationen den Patienten aufregen oder beruhigen und was er besonders gerne isst. Das erleichtert Ärzten und Pflegern den Umgang mit dem an Demenz erkrankten Menschen.

Bevollmächtigte Personen sollten sich am besten vom Arzt erklären lassen, welche Medikamente verordnet werden. Denn viele Arzneien können Verwirrtheit und Orientierungslosigkeit verschärfen. Wenn der Demenzkranke nicht mehr in der Lage ist, selbst in die Behandlung einzuwilligen, muss die Behandlung mit dem Bevollmächtigen oder einem gerichtlich bestellten Betreuer besprochen werden.

 

Tipps zur Vorbereitung eines Klinikaufenthaltes

  • Eine Einweisung in ein Krankenhaus sollte nur dann erfolgen, wenn diese unumgänglich ist.

  • Alle Untersuchungen, die ambulant erfolgen können, sollten vor der Krankenhauszeit erfolgen.

  • Die Aufnahme sollte zu der Tageszeit stattfinden, an der der Patient sein Tageshoch hat.

  • Der Demenzkranke sollte von seinem pflegenden Angehörigen begleitet und wenn möglich oder notwendig, als Begleitperson mit aufgenommen werden.

  • Das Pflegepersonal sollte über die Gewohnheiten und Verhaltensauffälligkeiten informiert werden. Wichtig für das Personal zu erfahren ist es, worauf der Patient unruhig reagiert, was ihn aggressiv macht oder womit beziehungsweise wie man ihn ablenken kann.

  • Und zu guter Letzt benötigen die Klinikärzte noch Informationen zur aktuellen Medikation des Patienten.

 

Ziel bei der Versorgung von Demenz-Patienten in einer Klinik sollte eine frühzeitige Entlassung sein. Dafür aber muss die Versorgung in der häuslichen Umgebung sichergestellt sein. Hierfür ist eine Kooperation des behandelnden Klinikarztes, dem Sozialdienst des Krankenhauses, des ambulantes Pflegedienstes sowie der Angehörigen und des Hausarztes erforderlich.

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