E-Bike: Unfallgefahr wird unterschätzt

21 Juni 2018

Auf Fahrräder mit Elektroantrieb steigen immer mehr Deutsche. Und damit nimmt auch die Zahl der Unfälle drastisch zu. Oftmals trifft es Ältere. Vor allem Senioren radeln auf den E-Bikes gefährlich. Das wundert einen auch nicht, denn der Anteil der Senioren die E-Bikes nutzen ist überdurchschnittlich hoch.

Im Jahr 2014, dem ersten Jahr, in dem das Statistische Bundesamt Pedelec-Unfälle erfasst hatte, gab es bundesweit 39 Todesopfer. Im Jahr 2016 kamen bereits 62 Personen ums Leben. Dies entspricht einer Steigerung zum Vorjahr um circa 39 Prozent. Und in den ersten neun Monaten des Jahres 2017 starben bereits 55 Pedelec-Fahrer. Damit dürfte für das gesamte Jahr die Zahl der Toten voraussichtlich fast doppelt so hoch sein wie 2014.

Die meisten Opfer waren im Seniorenalter, also älter als 65 Jahre. Ein Grund für die zunehmende Zahl an Pedelec-Unfällen ist, dass ständig neue E-Bikes hinzukommen. Mittlerweile gibt es hierzulande rund 3,5 Millionen E-Bikes. Wurden allein 2016 etwa 605.000 Stück verkauft, sind 2017 knapp 700.000 hinzugekommen.

Überwiegend werden E-Bikes von älteren Personen gekauft. Die Gefahr liegt vor allem darin, dass ältere Menschen körperlich abbauen, jedoch technisch aufrüsten. Mit einem Elektroantrieb sind sie bei gleicher Anstrengung viel schneller unterwegs als mit dem herkömmlichen Fahrrad. Während sich die ältere Generation ans langsame Fahren gewöhnt hat, Situationen gelernt hat gut einzuschätzen und viel Routine entwickelt haben, ist dies bei einem Umstieg auf ein Fahrrad mit Elektrounterstützung nicht mehr der Fall.

Eigene Fähigkeiten werden vielfach überschätzt. In aller Regel fahren sie mit dem E-Bike eine höhere Geschwindigkeit und bedenken nicht, dass ein solches Gefährt einige Kilos schwerer als ein übliches Fahrrad ist. Da aber auch letztlich ein höheres Tempo gefahren wird, verlängert sich der Bremsweg ungemein. Während man auf einem E-Bike mit dem Bremen beginnt, steht man mit einem gewöhnlichen Fahrrad schon. Als Folge mehren sich Stürze und Kontrollverluste.

Aus diesem Grunde sollten Senioren sich nicht ohne Vorbereitung auf ein Pedelec setzen. Vor der ersten Ausfahrt sollte man sich unbedingt mit dem Antriebs- und Bremsverhalten vertraut machen. Bevor man sich auf die Straße begibt, sollte jeder Neubesitzer erstmal das Auf- und Absteigen sowie das Kurvenfahren auf einem abgesicherten Gelände üben. Denn gegenüber dem Fahrrad bedingt ein E-Bike größere Kurvenradien. Darüber hinaus sollten sich Senioren darüber im Klaren sein, dass sie mit zunehmendem Alter sich langsamer fortbewegen sollten. Doch leider flitzen sie gleich los und kommen geistig oftmals nicht so schnell mit.

Um sich mit einem solchen Gefährt vertraut zu machen, sollten Senioren grundsätzlich an einem Fahrsicherheitstraining teilnehmen. Diese Kurse werden meist für eine geringe Gebühr von speziellen Pedelec-Fahrschulen und von den Verkehrswachten angeboten.

Aber auch die Autofahrer müssen umdenken. Auch sie unterschätzen häufig die Geschwindigkeit der E-Bikes. Man stelle sich vor, dass man eine Hauptverkehrsstraße befährt und an der nächsten Ampel nimmt man einen Radfahrer mit grauen Haaren wahr. Unweigerlich denkt man, dass der Fahrradfahrer langsam unterwegs ist und man noch bequem rechts abbiegen kann. Doch das klappt nicht, weil der Fahrer auf einem Pedelec fährt und damit viel schneller unterwegs ist - als erwartet. Infolgedessen hat man ihm schnell die Vorfahrt genommen und im schlimmsten Fall auf der Motorhaube liegen.

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