Senioren - zu alt fürs Autofahren?

01 Juni 2019

Pixabay steering wheel 2209953 1920Vor wenigen Tagen haben zwei Geisterfahrer im Seniorenalter andere Verkehrsteilnehmer auf Autobahnen in Angst und Schrecken versetzt.

Auf der A7 war ein 79-jähriger Senior rund 30 Kilometer auf der falschen Fahrbahn unterwegs und reagierte dabei weder auf einem Polizeiwagen mit Blaulicht noch auf einen später eingesetzten Polizeihubschrauber. Nach seinem Stopp konnte sich der Mann nicht daran erinnern, wie er auf die falsche Spur gelangte.

Während die Situation in Niedersachen noch unfallfrei verlief ereignete sich in Baden-Württemberg auf der A5 ein schwerer Unfall mit vier Autos und einem Lkw. Sowohl der 72-jährige Falschfahrer als auch zwei weitere Personen mussten schwerverletzt ins Krankenhaus eingewiesen werden. Auch dieser Mann konnte laut Polizeibericht nicht erklären, wie er auf die falsche Fahrbahn kam.

Am 21. Mai ist in Kleve ein 82-jähriger Mann, weil seine Fahrertür zugeparkt war, über die Beifahrerseite auf die Fahrerseite seines Wagens geklettert. Bei dieser Aktion startete plötzlich der Motor und das Fahrzeug rollte los. Dabei wurde seine 82-jährige Ehefrau durch die noch offene Beifahrertür zu Fall gebracht. Das Ehepaar kam schwerverletzt ins Krankenhaus. Am Tag zuvor rutschte in Düsseldorf ein 77-jähriger Senior mit seinem Pkw in eine Baugrube. Er konnte sich jedoch aus eigener Kraft befreien. Und nur zwei Tage vor diesem Ereignis hatte in Kevelaer ein 85-jähriger Fahrzeugführer eine Zweijährige auf einen Bürgersteig angefahren und lebensgefährlich verletzt. Inzwischen meldete die Polizei dass das Kind nicht mehr in Lebensgefahr schwebt.

 

Immer wieder fallen Senioren mit spektakulären Unfällen auf

Statistiken zeigen, dass Senioren mit zunehmendem Alter häufiger zum Verursacher werden. Da stellt sich natürlich die Frage, ob sie für den Straßenverkehr ein Problem darstellen. Noch wird diese Fragestellung verneint. Denn aktuell lenken nur wenige von ihnen ein Fahrzeug. Während Frauen über 75 Jahre meist überhaupt nicht mehr Auto fahren, fahren Männer nur selten und legen dabei meist nur Kurzstrecken zurück. Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass etwa 21 Prozent der Deutschen älter als 65 Jahre sind und etwas mehr als 6 Prozent älter als 80 Jahre.

Doch in 15 Jahren wird die Situation anders aussehen. Dann wird es genauso viele Senioren wie junge Fahrer, also Fahrzeuglenker zwischen 18 und 24 Jahren, geben. Beide Gruppen gelten für den Straßenverkehr als hochrisikoreich. Denn während die älteren Fahrer ihr Fahrzeug häufig nicht mehr sicher beherrschen haben jüngere Fahrer ihr Fahrzeug oft noch nicht unter Kontrolle.

Noch wird die Annahme, dass Senioren prozentual in besonders viele Unfälle verwickelt seien, widerlegt. Doch wenn die zurückgelegten Kilometer mit einbezogen würden, würde der Trend schon anders aussehen. Darum stellt die zunehmende Anzahl von älteren Verkehrsteilnehmern für die Verkehrssicherheit eine große Herausforderung dar.

 

Fahrtauglichkeitsprüfungen sind bislang nicht vorgesehen

Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass Experten die Einführung einer Fahrtauglichkeitsprüfung fordern, die in anderen EU-Ländern schon heute vorgeschrieben sind. Während in Spanien Autofahrer bereits ab einem Alter von 45 Jahren regelmäßig zum Gesundheitstest müssen, sind in den Niederlanden, Norwegen und Schweden ärztliche Untersuchungen zur Überprüfung der Fahrtauglichkeit ab einem Alter von 70 Jahren Pflicht.

Doch muss es dazu kommen? Was wäre wenn Senioren sich einer freiwilligen Rückmeldung unterziehen würden, indem ein speziell geschulter Fachmann mit ins Auto steigt und das Fahrverhalten des Seniors beurteilt. Probleme, die vielen nicht bewusst sind, können auf diesem Wege offengelegt werden und die Meinung eines Experten kann unter Umständen alarmierend wirken.

Fitness Checks für Autofahrer werden beispielsweise vom TÜV angeboten. So angenehm es auch sein mag, mit dem Auto von Ort zu Ort zu fahren und Mobilität zu genießen, so notwendig ist es aber auch, dies auf eine sichere Art und Weise zu tun. Wer sich selbst testen möchte, kann durch einen sogenannten Fitness-Check überprüfen, ob er noch fahrtauglich ist oder nicht. Denn gerade wenn man in ein gewisses Lebensalter kommt, sollte man auf „Nummer sicher“ gehen und selbstverantwortlich handeln.

 

Dabei liegen die Vorteile eines solchen Fitness-Checks auf der Hand:

  • Auswertung der mitgebrachten medizinischen Befunde
  • Individuelle verkehrsmedizinische Untersuchung
  • Spezielle verkehrspsychologische Leistungstestverfahren
  • Praktischer Fahr-Check
  • Beratung und Empfehlungen durch erfahrene Experten
  • Vertraulichkeit
  • Schriftliches Zertifikat
  • Individuelle Auskunft und hilfreiche Empfehlungen zum sicheren Verhalten
  • Rechtssicherheit
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