Schlafstörungen im Alter - Arten und Ursachen

21 Februar 2020

Pixabay time 371226 1920Die eine oder andere unruhige Nacht kennt jeder. Alltagssorgen, Stress, ungelöste Konflikte, freudige Erwartung oder Reisefieber begleiten uns bis weit in die Nacht hinein. Viele schlafen schlecht ein, wälzen sich von einer Seite auf die andere, liegen nachts öfters wach, können einfach nicht durchschlafen und dösen am Tage einfach immer mal wieder weg. – Schlafprobleme zeigen sich in vielfältiger Art und Weise.

Besonders aber ältere Menschen ab 60 Jahren leiden unter Schlafstörungen. Bei rund der Hälfte aller Menschen über 65 Jahre tritt dieses Phänomen auf. Das liegt daran, dass mit zunehmendem Alter die Tiefschlafphase immer kürzer wird und dass der Schlaf durch häufigere Wachphasen geprägt ist. Doch wir brauchen den Schlaf, um uns zu erholen und zu regenerieren. So ist guter Schlaf genauso wichtig, wie Essen und Trinken und Voraussetzung für Gesundheit und Lebensqualität. Schon der deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer (22.02.1788 – 21.09.1860) wusste: „Der Schlaf ist für den Menschen, was das Aufziehen für die Uhr ist“.

 

Arten von Schlafstörungen

  • Insomnien

Am weitesten verbreitet ist die Schlaflosigkeit. Bei einer Insomnie kommt es zu Schwierigkeiten beim Ein- und Durchschlafen. Wenn man zum Einschlafen mehr als eine halbe Stunde benötigt spricht man von Einschlafstörungen, von Durchschlafstörungen hingegen dann, wenn nach dem nächtlichen Aufwachen länger als eine halbe Stunde zum Wiedereinschlafen benötigt wird.

Eine Insomnie kann akut auftreten und wieder abklingen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann sie aber auch chronisch werden. Von einer primären Schlaflosigkeit, für die keine psychische oder körperliche Erkrankung ursächlich ist, sind etwa fünf bis sieben Prozent der älteren Menschen betroffen.

Verkürzte oder anhaltend unterbrochene Nächte können Ausdruck einer sekundären Schlaflosigkeit sein. Häufig stehen körperliche, neurologische und psychische Erkrankungen dahinter.

Die Betroffenen fühlen sich tagsüber oft müde und kaum leistungsfähig.

 

  • Hypersonmie

Bei ungewolltem Einschlafen über Tag spricht man von starker Tagesschläfrigkeit oder Schlafsucht. Die Betroffenen fühlen sich tagsüber schläfrig und schlafen immer wieder ungewollt ein, obwohl ihre nächtliche Schlafqualität gut ist. In der Regel schlafen sie nachts deutlich länger als andere Menschen. Nach dem Aufwachen haben sie Schwierigkeiten richtig wach zu werden und Orientierungsprobleme. Viele Betroffene fühlen sich am Tage energielos oder unruhig und berichten über Gedächtnisprobleme.

Man differenziert zwischen der organischen (idiopathischen) Hypersomnie und der nicht-organischen Hypersomnie. Bei der idiopathischen Hypersomnie wird als Grund für die erhöhte Schläfrigkeit eine körperliche Ursache angenommen, bei der nicht-organischen Hypersomnie in erster Linie psychische Ursachen.

 

  • Parasomnien

Andere Schlafstörungen sind beispielsweise Auffälligkeiten die während des Schlafens stattfinden, wie Albträume, Angstzustände, Schlafwandeln, Einnässen, Zähneknirschen oder auch Sprechen im Schlaf. Die Betroffenen wachen bei Parasomnien meist nicht auf, können sich selbst und andere aber durch ihre nächtlichen Aktivitäten gefährden.

 

  • Sonderformen

Zu den Sonderformen der gestörten Nachtruhe gehören zum einen Atmungsstörungen wie Schnarchen und nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe) und zum anderen Bewegungsstörungen wie ruhelose Beine (Restless-Legs-Syndrom), nächtliches Muskelzuckeln bis hin zu teils sehr heftige Bewegungen der Gliedmaßen.

Schnarcher und Personen, die nachts längere Atemaussetzer haben, fühlen sich häufig nicht bewusst in ihrem Schlaf gestört, wohl aber ihre Mitschläfer. Dennoch leidet ihre Schlafqualität erheblich und vor allem kann eine Schlagapnoe zu ernsthaften Gesundheitsproblemen führen. An einer Schlafapnoe leiden rund 40 Prozent der Senioren. Oftmals liegen verschiedene organische Ursachen zugrunde.

Am häufigsten tritt die obstruktive Schlafapnoe auf, bei der eine zu starke Entspannung der Atemmuskulatur im Schlaf dazu führt, dass keine oder fast keine Luft mehr in die Lungen gelangt. Bei der seltener auftretenden zentralen Schlafapnoe werden die Atemaussetzer durch Schädigungen im zentralen Nervensystem ausgelöst.

Menschen, die unter unruhige Beine leiden, werden mehrfach in der Nacht durch ein Kribbeln, Spannen, Ziehen, Schmerzen oder andere als unangenehm empfundene Gefühle in den Beinen aufgeweckt. Die Missempfindungen bessern sich in aller Regel erst, wenn die Betroffenen aufstehen und umherlaufen. Jedoch kehren die Symptome nach einer kurzen Ruhepause gewöhnlich in der nächsten Ruhesituation unmittelbar wieder zurück. Auf diese Weise wird der Nachtschlaf mehrfach unterbrochen. Hiervon betroffen sind etwa 10 Prozent der älteren Menschen.

Sowohl beim Restless-Legs-Syndrom als auch bei den periodischen Beinbewegungen scheint der Botenstoff Dopamin eine Rolle zu spielen. Da beide Erkrankungen vermehrt im Alter auftreten, könnte damit begründet werden, dass der Botenstoff Dopamin und die Rezeptoren (Andockstellen) für Dopamin im Gehirn mit zunehmenden Alter abnehmen.

 

Schlafstörungen – Nicht auf die leichte Schulter nehmen!

Schlafstörungen werden vielfach unwissentlich als naturgegeben hingenommen, häufig verharmlost und vernachlässigt. Doch sobald sie dauerhaft auftreten, sind sie eine ernst zu nehmende Krankheit. Insbesondere dann, wenn Betroffene chronisch erkrankt sind. Denn Schlafstörungen können bestehende Erkrankungen verstärken und den Abbau der körperlichen Leistungsfähigkeit beschleunigen.

Viele ältere Menschen sind aufgrund ihrer Schlafstörungen, weniger körperlich aktiv. Ihre Beweglichkeit nimmt zwangsläufig ab. Die Folge: Die Sturzhäufigkeit nimmt unvermeidlich zu und kann im schlimmsten Fall weitere Beschwerden nach sich ziehen. Betroffene ziehen sich mehr oder weniger aus ihrem sozialen Umfeld zurück und verlieren dadurch an Lebensqualität.

 

Probleme mit der Medikation

In aller Regel nehmen Senioren mehrere Medikamente gegen verschiedene Krankheitsbilder ein. Aus wissenschaftlichen Untersuchungen geht hervor, dass eine Vielzahl von Erkrankungen, die für Ältere typisch sind, Beeinträchtigungen des Schlafverhaltens mit sich bringen. So kann der Schlaf durch häufiges nächtliches Wasserlassen, chronische Schmerzen, Herz- und Lungenerkrankungen, Magenbeschwerden oder Diabettes mellitus gestört werden.

 

Schluss mit dem Irrtum, dass ältere Menschen weniger Schlaf benötigen

Neugeborene (0-3 Monate) benötigen besonders viel Schlaf. Zwischen 14 und 17 Stunden sind optimal. Nach ein paar Monaten kommen Säuglinge (4-11 Monate) mit 12 bis 15 Stunden Schlaf aus. 11 bis 14 Stunden brauchen kleine Kinder (1-2 Jahre). Im Vorschulalter (3-5 Jahre) sollten Kinder zwischen 10 und 13 Stunden Schlaf bekommen. In den ersten Schuljahren (6-13 Jahre) schlafen Kinder am besten zwischen 9 und 11 Stunden. Teenager (14-17 Jahre) hingegen zwischen acht und zehn Stunden.

Junge Erwachsene (18-25 Jahre) benötigen zwischen sieben und neun Stunden Schlaf und im Erwachsenenalter (26-64 Jahre) ändert sich das Schlafbedürfnis nur noch wenig und beträgt zwischen sieben und neun Stunden. Und im Alter (65plus) benötigen die meisten Menschen zwischen sieben und acht Stunden.

Die weit verbreitete Annahme, dass ältere Menschen weniger Schlaf als Jüngere benötigen, ist nicht ganz korrekt. Wohl aber ändert sich das Schlafverhalten. Mit dem Alter wird die sogenannte innere Uhr schwächer und es findet eine natürliche Verlagerung des Schlafes am Tage statt, während das Bedürfnis nachts zu schlafen, abnimmt. So ruhen sich viele ältere Personen nach dem Mittagessen aus und legen sich gern zu einem Nickerchen auf die Couch, wundern sich aber dann, wenn sie nach sieben oder acht Stunden Nachtruhe schon früh am Morgen wieder erwachen und meinen, dass sie gegenüber ihren Mitmenschen weniger Schlaf benötigen. In der Summe benötigen sie aber dieselbe Menge Schlaf.

Während die einen morgens früh aus den Feldern klettern und sogleich fit für den Alltag sind, laufen die anderen erst Abends zur Hochform auf, sind meist bis Mitternacht aktiv und kommen morgens aber nur mit größter Mühe in die Puschen. Von Schlafforschern werden diese beiden Menschentypen auch gern als „Lerchen“ und als „Eulen“ bezeichnet. Doch die moderne Schlafforschung hat gezeigt, dass die Varianten an Schlaf-Wach-Kombinationen weitaus größer sind, als bislang angenommen.

Interessant: Die ständig Fitten sind nicht die, die schlicht weniger Schlaf benötigen. Denn im Mittel weichen die Netto-Schlafzeiten im Durchschnitt nur um rund 30 Minuten voneinander ab. So findet man sowohl unter Kurzschläfern, wie auch unter Langschläfern Menschen, die morgens und abends fit oder matt sind. Letztendlich hängen der Schlafrhythmus, die Schlafqualität und die Dauer des Schlafes von den individuellen Eigenschaften einer Person ab.

 

Körperliche Bewegung und geistige Beschäftigung

Zwei Gründe für Schlafstörungen älterer Menschen sind mangelnde körperliche Bewegung und fehlende geistige Beschäftigung. Personen die unter Schlafstörungen leiden, neigen dazu, ihren Alltag mit vermehrter Ruhe und weniger Aktivität zu gestalten. Doch wer sich vom Alltag mehr und mehr zurückzieht, gelangt in einen Teufelskreis, da sich das Problem hierdurch meist noch weiter verstärkt. Daher ist man besser beraten, seinen Körper durch einen entspannten Spaziergang, Radfahren, Tanzen oder einem Kreuzworträtsel in Schwung zu bringen. Das sorgt für die Ausschüttung von Glückshormonen und der Geist wird gefordert. Schlussendlich führt dies zu einem verbesserten Einschlafprozess und einer höheren Schlafqualität.

 

Ursachen für Schlafstörungen

Entsprechend ihrer Ursache unterscheidet man primäre und sekundäre Schlafstörungen.

Kennzeichnend für primäre Schlafstörungen ist das Fehlen von körperlichen oder psychischen Erkrankungen. Zumeist liegen ungünstige Schlafbedingungen oder den Schlaf behindernde Gedanken vor. Störfaktoren wie Lärm, Lichtverhältnisse, ein zu warmer Schlafraum, die falsche Matratze und Verhaltensweisen haben Einfluss auf die Schlafqualität. Den sekundären Schlafstörungen liegen entweder organische oder psychische Ursachen zugrunde. Weiterhin zählen aber auch Schlafstörungen hervorgerufen durch Medikamente oder Drogen zu den sekundären Schlafstörungen.

  • Organische, neurologische und psychische Erkrankungen
    - chronische Schmerzen durch rheumatoide Arthritis und andere chronische Gelenkerkrankungen wie Arthrose
    - Herz-Kreislauf-Erkrankungen
    - Atemwegs- und Lungenerkrankungen
    - chronische Nierenerkrankungen
    - nächtlicher Harndrang, Inkontinenz, Prostataleiden
    - Schilddrüsenüberfunktion
    - Magen-Darm-Erkrankungen
    - Kopfschmerzen, Migräne
    - Hormonelle Einflüsse
    - chronisches Erschöpfungssyndrom
    - Krebs
    - Hirnhautentzündung
    - Schlaganfall
    - Parkinson
    - Multiple Sklerose
    - Schlaganfall
    - Epilepsie
    - Tinnitus
    - Demenz
    - Stress, seelische Belastungen
    - Burn-ourt-Syndrom
    - Depressionen, Manien, Angstzustände

  • Medikamente
    - Antibiotika
    - Asthma-Mittel
    - Bluthochdruck-Medikamente
    - einige Antidepressiva
    - Schlafmittel
    - Schilddrüsenhormone
    - Mittel gegen Demenz
    - Kortison
    - Antihistaminika
    - Diuretika
    - Zytostatika

  • Genussmittel und Drogen
    - Alkohol
    - Koffein (Kaffee und schwarzem Tee)
    - Nikotin
    - Cannabis
    - Ecstasy
    - Kokain
    - Heroin

           

Schlafstörungen – wann zum Arzt?

Jeder, der über Schlafstörungen klagt, sollte aufmerksam werden. Oftmals geben sich an bestimmte Ereignisse gebundene Schlafprobleme nach kurzer Zeit von alleine wieder.

Mediziner sprechen dann von einer Schlafstörung, wenn man mindestens über vier Wochen hinweg drei Nächte oder mehr in der Woche keinen durchgehenden erholsamen Schlaf gefunden hat und sich tagsüber müde, kraftlos, abgeschlagen, matt, nervös und gereizt fühlt.

Bleibt also der erholsame Schlaf länger aus, oder leidet man unter starker Tagesmüdigkeit – obwohl man den Eindruck hat, dass man nachts selbst gut schläft -, sollte man unbedingt einen Arzt konsultieren.

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