Wenn Medikamente die Lunge schädigen

01 Juli 2011

Fotolia 66767521 MWie heißt es doch: Keine Wirkung ohne Nebenwirkung. Wer gegen ein Leiden Medikamente einnimmt, muss davon ausgehen, dass er dadurch unter Umständen einen anderen Schaden in seinem Körper riskiert. Immer häufiger schlagen Ärzte Alarm, dass es immer mehr Medikamente gibt die einen Schaden in der Lunge anrichten können.

Oftmals wird den Medizinern die Diagnose sehr schwer gemacht. Beispielsweise dann, wenn Patienten schon bei der kleinsten Anstrengung über Atemnot klagen oder es zu Husten mit oder ohne Auswurf kommt. Da diese Symptome auf sehr viele Lungenkrankheiten hinweisen können, sind viele Ärzte ratlos und nicht selten ist hierfür ein bestimmtes Arzneimittel verantwortlich.

Momentan gibt es in Deutschland etwa 350 verschiedene Präparate, bei denen es als Nebenwirkung zu einem Lungenschaden kommen kann. Das Problem besteht darin, dass das häufig nicht erkannt wird. Weder Ärzte noch Patienten wissen davon. Das liegt daran, dass sie von anderen Erkrankungen der Lunge kaum zu unterscheiden sind und meist erst nach Monaten der Einnahme auftreten.

Bei einigen Medikamenten ist die unerwünschte Wirkung auf die Atemwege Ärzten durchaus bekannt, berichtet Professor Jens Schreiber von der Abteilung für Pneumologie am Universitätsklinikum Magdeburg in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“. Bei etwa  5 bis 35 Prozent aller wegen Bluthochdruck oder Herzerkrankungen mit ACE-Hemmern behandelten Patienten kommt es zu Husten. Selbst bis zu 3 Prozent der modernen Mittel gegen Bluthochdruck haben diese Nebenwirkung. Bekannt ist darüber hinaus, dass die gegen Bluthochdruck und Herzerkrankungen verabreichten Betablocker ebenfalls einen Asthmaanfall auslösen können.

Besonders zwei Arzneien, das Antibiotikum mit dem Wirkstoff Nitrofurantoin, welches vermehrt bei Infektionen mit Problemkeimen eingesetzt wird, und das Mittel gegen Herzrhythmusstörungen mit dem Wirkstoff Amiodaron gehören zu den Medikamenten die nachweislich das Lungengewebe schädigen können. Unter dieser Therapie kann zu einer Entzündung oder Vermehrung des Bindegewebes kommen, die als interstitielle Lungenerkrankung bezeichnet wird. Wird diese nicht rechtzeitig erkannt, kann sie bei 10 bis 23 Prozent der Patienten tödlich enden. Bei einigen Medikamenten, wie dem Blutverdünner Phenprocoumon (Marcumar)  kann es sogar zu lebensgefährlichen Lungenblutungen kommen.

Weil auch das krebsbekämpfende Medikament Methotrexat die Lunge schädigen kann, prüfen Fachärzte für Krebserkrankungen bei ihren Patienten routinemäßig, ob das Mittel die Lungenbläschen schädigt. Der Wirkstoff wird außerdem bei rheumatischen Erkrankungen verschrieben.

Am häufigsten führen Zytostatika, Antibiotika, Amiodaron, NSAR und biologische Medikamente wie etwa Interferone, Zytokine und Wachstumsfaktoren zu unerwünschten Effekten an den Atmungsorganen. Eine detaillierte Liste der bedenklichen Mittel, die pulmologische Schäden nach sich ziehen können, ist unter www.pneumotox.com veröffentlicht.

 

Quelle: Arzneimittelbedingte interstitielle Lungenerkrankungen. DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift (2010), Band 135 (10), Seite 450-454

Zurück