Pflege in Deutschland: Zahlen und Fakten

21 Juli 2018

Fotolia 99094842 MPflegebedürftig möchte niemand werden. Doch immer mehr Menschen sind hiervon betroffen. So steigt die Zahl der Pflegebedürftigen von Jahr zu Jahr. Im Dezember 2015 waren 2,86 Millionen Menschen auf Pflege angewiesen. Gegenüber dem Jahr 2013 sind rund 234.000 Bundesbürger hinzugekommen. Mit anderen Worten bedeutet dies ein Anstieg von 8,9 Prozent.

 

Pflege daheim nimmt zu

Der Trend dabei ist eindeutig. So wird ein immer größerer Anteil von Pflegebedürftigen hierzulande daheim betreut. So wurden in den eigenen vier Wänden rund 2,08 Millionen Personen (73 Prozent) versorgt. Davon 1,385 Millionen durch eigene Angehörige und 692.000 durch ambulante Pflegedienste. In Alten- und Pflegeheimen wurden circa 783.000 Menschen vollstationär betreut.

Während die Zahl der Pflegebedürftigen in vollstationären Einrichtungen lediglich einen Zuwachs in Höhe von 2,5 Prozent verzeichnete, stieg die Zahl derjenigen, die zu Hause betreut wurden um 11,6 Prozent. Dabei wuchs die Zahl derjenigen, die allein von ihren Angehörigen betreut wurden, um 11,1 Prozent während der Anteil derjenigen, die durch einen ambulanten Pflegedienst betreut wurden, um 12,4 Prozent zunahm.

 

Pflegebedürftigkeit steigt mit zunehmendem Alter deutlich

83 Prozent der pflegebedürftigen Personen waren älter als 65 Jahre. Während die Quote bei den 70- bis 75-Jährigen bei nur 5 Prozent lag, betrug sie hingegen bei den über 90-Jährigen bei 66 Prozent. Eine erhebliche eingeschränkte Alltagskompetenz wurde bei 1,2 Millionen Menschen beziehungsweise 42 Prozent der 2,86 Millionen Bundesbürger festgestellt.

Mit einem Anteil von 64 Prozent stellten Frauen die meisten Pflegebedürftigen. Dabei lag der Anteil der Frauen bei den daheim Versorgten bei 61 Prozent, während der Anteil der Frauen in den Heimen mit 72 Prozent deutlich höher ausfiel.

 

Der Weg fort von der Heimpflege zeigt sich auch langfristig

Während seit 2001 die Zahl der Pflegebedürftigen die in vollstationären Heimen betreut werden um 32,4 Prozent zunahm, betrug der Zuwachs der pflegebedürftigen Menschen die durch ambulante Pflegedienste betreut wurden um 59,3 Prozent und bei den von Angehörigen Betreuten, die Pflegegeld erhalten, um 38,4 Prozent.

 

Ständig werden mehr Pflegekräfte benötigt

Seit der Jahrtausendwende hat auch das in der Pflege beschäftigte Personal erheblich zugenommen. 1999 waren in den Alten- und Pflegeheimen 441.000 Menschen beschäftigt, 2015 waren es schon 730.000. Bei ambulanten Pflegediensten fällt der Zuwachs noch höher aus. 1999 wurden 183.000 Menschen und 2015 bereits 355.000 Menschen beschäftigt. Damit hat sich der Zuwachs nahezu verdoppelt.

 

Aktueller Stand

Nach vorläufigen Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums erhielten Ende des Jahres 2017 etwa 3,3 Millionen Personen Leistungen der gesetzlichen und der privaten Pflegeversicherung. Rund 3,1 Millionen Pflegebedürftige waren gesetzlich versichert.

 

Ausblick

Experten gehen davon aus, das - in unserer alternden Gesellschaft - die Zahl der pflegebedürftigen Bundesbürger stark zunehmen. Schon heutzutage arbeiten mehr Menschen in der Alten- und Krankenpflege als in der deutschen Automobilindustrie. Und der Fachkräftemangel hat auch hier längst Einzug gehalten. Sollte sich zum einen die Zahl der Pflegebedürftigen - wie prognostiziert - erhöhen und zum anderen der Nachwuchs in den Pflege- und Gesundheitsberufen ausbleiben, könnten im Jahr 2035 zwischen 270.000 und 500.000 Fachkräfte fehlen.

Tatsächlich aber dürfte neben als den als offiziell pflegebedürftig anerkannten Bundesbürger die Zahl der Menschen die auf Pflege und Unterstützung angewiesen sind weit höher liegen. Experten gehen davon aus, dass inzwischen wohl mehr als 5 Millionen Menschen durch Angehörige oder professionelle Kräfte unterstützt werden, ohne Leistungen der Pflegeversicherung zu beziehen.

Zum einem haben längst nicht alle einen Anspruch auf einen Pflegegrad, zum anderen beziehen aber auch tatsächlich berechtigte Personen keine Unterstützung von offizieller Seite. Dies kann mehrere Gründe haben. So gibt es Menschen, die wollen und können ihre Pflege selbst finanzieren. Andere wiederum glauben, keine Ansprüche zu haben oder meinen der Antragsstellung nicht gewachsen zu sein und wiederum andere möchten nicht als hilfe- oder pflegebedürftig gelten, entweder weil sie sich schämen oder Angst haben. Angst davor, mit der Einstufung in einem Pflegegrad, ohne ihre ausdrückliche Einwilligung, automatisch in ein Heim abgeschoben zu werden.

Um nicht als senil abgestempelt zu werden oder Prozesse in Gang zu setzen, die man gar nicht möchte, verzichtet so mancher – zumindest so lange wie es irgendwie geht – auf einen Pflegegeldantrag.

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