Stürze im Alter: Ursachen und Folgen

01 Mai 2016

Fotolia 42880297 MWas bei Kindern vollkommen normal ist und zum Lernprozess gehört, kann bei Senioren unangenehme Folgen haben: Stürze. „Nach dem Sturz ging plötzlich gar nichts mehr. Er wollte nicht mehr aufstehen, nichts mehr essen, ließ sich nur noch gehen. Mit einem Mal war er ein schwerer Pflegefall.“ Diese Aussage der Ehefrau eines betagten Mannes bringt die möglichen Folgen eines Sturzes auf den Punkt.

Für Senioren sind Stürze das mit Abstand größte Unfallrisiko. Laut aktuellen Zahlen des statistischen Bundesamtes erlitten im Jahr 2014 fast 11.600 Personen bei einem Sturz so schwere Verletzungen, dass sie verstarben.

 

Ursachen für Stürze

Im Laufe der Jahre verschlechtert sich in den meisten Fällen die körperliche Konstitution. Man ist nicht mehr so sicher auf den Beinen, wie man es früher einmal war. Bei den über 70-jährigen lassen sich die häufigsten Ursachen für Stürze entweder auf eine Muskelschwäche der Beine oder auf Koordinationsprobleme beim Laufen zurückführen. Im Alter unterliegen das Gleichgewicht, die Koordination und die Kraft der Muskeln nicht immer ganz der eigenen Kontrolle.

Hinzu kommt, dass viele Senioren häufig mehrere Medikamente einnehmen. Insbesondere bei blutdrucksenkenden Mitteln, Diuretika, Laxantien, Antidepressiva, Antihypertensiva, Psychopharmaka – hierzu zählen auch Schlafmittel – sowie bei Analgetika und Opiaten, welche Schmerzpatienten verschrieben werden, erhöht sich durch die Arzneien sowie deren Neben- und Wechselwirkungen das Sturzrisiko.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass Patienten oft mehrere Ärzte aufsuchen und von denen Arzneien verordnet bekommen. Meist aber, weiß nicht jeder Arzt welche Medikamente ein Kollege bereits verschrieben hat und ob sich diese mit seinen verschriebenen Präparaten vertragen. Allein deshalb, sollten Ältere schriftlich festhalten, welche Medikamente in welcher Dosis sie einnehmen und dies dem jeweiligen Arzt mitteilen. Letztlich dient dieses Vorgehen dem Selbstschutz des Patienten.

Des Weiteren sei erwähnt, dass es durchaus sinnvoll ist, seine Arzneien nur von einer Apotheke zu beziehen. Sollten sich die Präparate nicht vertragen, so wird der Apotheker darauf hinweisen. Das geht aber nur, wenn in der jeweiligen Apotheke auch alle Medikamente bezogen werden und der Apotheker einen Gesamtüberblick über die Einnahme der verschiedenen Arzneien seiner Kundschaft hat.

Zudem lauern überall Stolperfallen. Ältere haben häufig Risiken in einem Umfeld zu befürchten, das eigentlich das sicherste für sie sein sollte. Die Rede ist von den eigenen vier Wänden, in denen viele Stürze verzeichnet werden. Bedenkt man, dass 90 Prozent der tödlich verlaufenden Stürze von Personen über 65 Jahren daheim geschehen, lohnt es sich, hier die Augen offen zu halten und das Umfeld genauer unter die Lupe zu nehmen, um Risiken zu minimieren.

In der Wohnung und vor allem im Badezimmer laueren viele Gefahrenquellen. Im Bad ist es meist feucht, auch der Boden, und das nicht nur nach dem feuchten wischen, sondern vor allem auch nach dem baden oder duschen. Badematten, Bettvorleger, Teppiche, lange Kabel oder auch Türschwellen stellen durchaus Risikofaktoren dar.

Weitere Risiken: Aber auch eine Demenz, Parkinson, Osteoporose und rheumatische Erkrankungen oder auch eine Störung der Körperhaltung, beispielsweise hervorgerufen durch einen Bandscheibenverschleiß oder Arthrose können ursächlich für Stürze sein. Daneben stellen ebenso Sehstörungen wie Weit- oder Kurzsichtigkeit oder der Verlust des räumlichen Sehens eine Gefährdung dar. Selbst das Tragen einer Gleitsichtbrille kann unter Umständen ein Risikofaktor darstellen, nämlich dann, wenn deren Träger Treppenstufen nicht mehr richtig erkennt. Verschwommenes Sehen oder gar Schwindel lassen viele Senioren zu Boden gehen.

 

Folgen eines Sturzes

So wundert es nicht, dass jeder dritte Mensch über 65 Jahren mindestens einmal im Jahr stürzt. Nicht selten erleiden Senioren nach einem selbst scheinbar harmlosen Sturz Knochenbrüche. Dabei können die Folgen schwerwiegend sein.

Sie reichen von Prellungen bis zum Oberschenkelhalsbruch. Am letzteren verstirbt jeder vierte Patient innerhalb von nur zwölf Monaten. Entweder direkt infolge des Sturzes oder nach einer notwendig gewordenen Operation. Und nur sehr wenige Patienten erreichen nach einem Oberschenkelhalsbruch ihren alten gesundheitlichen Zustand wieder. Neben einem Schädelhirntrauma kommen genauso eine Hüftluxation oder gar eine Hüftfraktur sehr häufig vor. Unvermeidbar wird so oft eine stationäre Behandlung im Krankenhaus. Bedauerlicherweise kann es durchaus vorkommen, dass ein Sturz derart fatal verläuft, dass der Betroffene auf dauerhafte Pflege angewiesen ist. Das Risiko danach in ein Alten- oder Pflegeheim zu kommen, ist somit außerordentlich hoch.

Verständlicherweise entwickeln daraus resultierend viele ältere Menschen Ängste vor einem weiteren Sturz. Sie werden depressiv, ziehen sich immer weiter zurück und schränken ihre Mobilität im Alltag noch mehr ein. Das Verheerende: Mit diesen vermeintlichen Vorsichtsmaßnahmen nimmt das Sturzrisiko weiter zu. Die Muskultur und das Skelett werden noch weniger beansprucht und verlieren immer mehr an Kraft.

 

Vorbeugung

Der beste Schutz liegt daher immer noch in der Prävention. Besonders wichtig ist es, den Körper fit zu halten. Dabei spielt es keine Rolle, ob man Gymnastik oder Nordic Walking betreibt. Bewegung im Alter schützt nicht nur vor Stürzen sondern auch vor dementiellen Erkrankungen und ist auch für das Herz-Kreislaufsystem besonders gut.

Wer sich – nicht nur in jungen Jahren – fit hält, kann seine geistige und körperliche Leistungsfähigkeit steigern. Verspürt man den Wunsch gesund älter zu werden, ist Bewegung das A und O. Viele Krankenkassen bieten nicht nur spezielle Sportkurse für Senioren zur Prävention an, sondern bezuschussen diese auch noch. Also einfach mal nachfragen!

 

 

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