Pro und Contra: Nicht immer sind Rollatoren sinnvoll

21 Oktober 2017

Pixabay rollator 3480878 1920Eine ältere Dame steht wartend auf dem Treppenabsatz, denn mit ihrem Rollator kommt sie die Stufen nicht hinunter. Bereits nach kurzer Zeit findet sich ein freundlicher Helfer, der die mobile Gehhilfe nach unten trägt. Dieser staunt nicht schlecht, als er bemerkt wie erstaunlich schnell und sicher die Seniorin ihm folgt und unten angekommen, zieht sie mit ihrem Gehwagen in einem beeindruckenden Tempo von dannen. Schnell drängt sich ihm die Frage auf, ob die Frau das Hilfsmittel überhaupt benötigt.

Ganz anders verhält es sich bei einer betagten Seniorin. Obwohl sie sehr unsicher auf den Beinen ist, wollte sie keinesfalls einen Rollator ihr eigen nennen. Selbst wenn ihre besorgte Verwandtschaft dieses heikle Thema ansprach, und mit viel Zureden, Behutsamkeit und Geduld ihr die Vorteile eines solchen Hilfsmittel versuchten darzulegen verweigerte sie sich stets vehement und ließ lediglich wissen, dass sie sich damit nur alt vorkommen würde. Letztlich siegte aber dennoch die Vernunft über die Eitelkeit.

 

1978 in Schweden erfunden

Seine Premiere erlebte der Rollator im Jahr 1978. Erfunden wurde er von der gehbehinderten Schwedin Aina Wifalk. Die spätere Sozialwissenschaftlerin war Anfang der 1970er-Jahre im Alter von 21 Jahren an Kinderlähmung erkrankt.

Durch ihre Erkrankung wurde ihre Fortbewegung mehr und mehr eingeschränkt. Doch die damals zur Verfügung stehenden vierbeinigen Gehgestelle genügten ihren Ansprüchen an eine komfortable Gehhilfe nicht und so begann sie mit deren Weiterentwicklung.

Das ursprüngliche Gestell machte sie stabiler, fügte Räder und Bremen sowie eine Sitz- und Ablagefläche dazu und optimierte das Gerät für den Einsatz sowohl innerhalb als auch außerhalb von Gebäuden. Schließlich fand sie einen Produzenten für die Produktion eines Prototyps und nur kurze Zeit darauf startete bereits die Serienproduktion.

Seit Anfang der 1990er-Jahre ist der Rollator auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz verbreitet. Heutzutage gehört der Rollator längst zum Alltagsbild auf deutschen Straßen. Und es ist zu erwarten, dass mit der weiter alternden Gesellschaft auch dessen Verbreitung zunehmen wird.

 

Meist fängt es in der Hausarzt-Praxis an

Klagt ein Patient beim Arzt über Gangunsicherheit bekommt er nicht selten einen Rollator verschrieben. Und sei es nur zur Sicherheit. Somit fühlt sich der Patient mit seinem Problem ernst genommen und der Arzt hat damit sein vermeintlich Bestes getan, um einen Sturz seines Patienten zu vermeiden. Die Lösung ist für beide Seiten einfach, zumindest vorläufig zufriedenstellend und zudem auch preiswert.

Noch werden Rollatoren nicht budgetiert. Im Gegensatz zur Physiotherapie kann der Hausarzt so viele davon verschreiben, wie er möchte. So wundert es nicht, dass Rollatoren großzügig verordnet werden. Die Krankenkassen zahlen bei Verordnung entweder einen festen Zuschuss in Höhe von 70 bis 80 EUR oder kommen für die Kosten eines Leihgerätes auf.

 

Rollatoren kann man aber auch ohne Verordnung erwerben

Rät der Hausarzt zur mobilen Gehilfe, ist die Anschaffung freilich sinnvoll. Doch häufig werden die Gehwagen auch ohne medizinische Verordnung gekauft. Längst erhält man sie heutzutage nicht nur in Orthopädie-Fachgeschäften sondern auch schon selbst bei den Discountern Aldi und Lidl waren sie bereits im Angebot. Mittlerweile werden sie in vielen Geschäften und Ausführungen angeboten. Manch edles Modell kommt inzwischen sogar mit einem Elektroantrieb einher, damit das mühsame bergauf Schieben nicht so schwer fällt. Da wundert es einen nicht, dass die Preise von etwa 70 bis hin zu 1.000 EUR reichen.

 

Stolperfallen erkennen und vermeiden

Nach einem oder mehreren Stürzen ist der Rollator bei Gangunsicherheit eher eine zweite Option. Zunächst sollten vermeidbare Ursachen ausgeschlossen werden, wie beispielsweise schlechtes Sehen, Stolperfallen in der Wohnung oder eine schlecht beleuchtete Wohnung. Aber auch die Einnahme von Medikamenten lässt so manchen Senior unsicher auf den Beinen werden.

 

Der Rollator sollte niemals die erste Lösung sein

Statt auf die Anschaffung eines Rollators zu setzen, sollte man lieber vorbeugende Maßnahmen treffen und beispielsweise an einem Sturzpräventionsprogramm teilnehmen. In den entsprechenden Trainingseinheiten werden Risikofaktoren aufgedeckt, Muskeln trainiert und unter Umständen auch das Fallen geübt. Letzteres um Ängste davor zu minimieren.

 

Wer lange Zeit den Rollator benutzt, verlernt das normale Gehen

Der Körper gewöhnt sich sehr schnell an eine neue Gangart, mit einer zusätzlichen Stütze. Durch dieses Gewöhnen erhöht sich wiederum das Verletzungsrisiko, denn der Rollator der eigentlich Stürze vermeiden soll, kann diese auch auslösen. Für viele Menschen ist die vermeintliche Hilfe allein deshalb schädlich, weil sie falsch benutzt wird.

 

Ein Gefühl von Pseudosicherheit

Viele Senioren laufen vornübergebeugt gleichsam hinter ihrem Rollator her. Der Schwerpunkt liegt dann viel zu weit hinten und beim Druck auf die Haltegriffe kann das Gefährt vorne abheben. Ein Sturz ist häufig vorprogrammiert. Und wer mit Rollator stürzt, verletzt sich meist schwerer. Ursächlich hierfür ist, dass er durch den Rollator am Abfangen gehindert wird oder direkt in den Rollator hineinfällt. Aber auch die oftmals falsch eingestellten Armstützen führen zu Fehlhaltungen und dauerhaft zu Haltungsschäden.

 

Nur so lange, wie unbedingt nötig

Nach einer Hüft- oder Rückenoperation sind viele ältere Personen oft noch unsicher auf den Beinen. Hier kann eine moderne Gehhilfe als Übergangslösung bis zur völligen Genesung durchaus sinnvoll sein. Bei vielen ist der Rollator aber schlicht ein Missverständnis. Zumindest dann, wenn er fortan genutzt wird. Generell sollte der Gehwagen nur vorübergehend als Hilfsmittel eingesetzt werden. Letztlich sollen Patienten mit ihm lernen, wieder ohne Rollator zu laufen.

 

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