Ein Gerstenkorn (Hordeolum) richtig behandeln

21 April 2021

pixabay barley grain 444925 1920Wenn das Augenlid plötzlich angeschwollen ist, schmerzt, juckt und rot aussieht, kann ein Gerstenkorn (Hordeolum) die Ursache sein. Die akute eitrige Entzündung am oberen oder unteren Lidrand ist zwar äußerst unangenehm und lästig, gewöhnlich aber harmlos und in der Regel heilt es meist von alleine wieder ab.

 

 

 

Ursachen

Für das Entstehen eines Gerstenkorns ist eine bakterielle Infektion die häufigste Ursache. Zustande kommt sie durch Verunreinigungen des Lidrandes. Meist sind es Staphylokokken, typische Keime, die sich auf Haut- und Schleimhäuten ansiedeln. Seltener hingegen sind Infektionen mit Streptokokken. Diese Bakterien befinden sich hauptsächlich im Mund- und Rachenraum.

Beide Bakterienstämme gelangen zumeist durch das Reiben der Augen mit ungewaschenen Hände an die Lidränder. Dort können sie verschiedene Drüsen infizieren, die unterschiedliche Funktionen erfüllen.

  • Die Meibom-Drüsen produzieren Talg. Deren Fettanteil vermischt sich mit der Tränenflüssigkeit und schützt sie damit vor einem frühzeitigen Verdunsten.
  • Daneben bilden auch die Zeis-Drüsen Talg.
  • Bei den Moll-Drüsen handelt es sich um Schweißdrüsen.

 

Je nachdem, welche Drüsen betroffen sind, unterscheidet man zwischen einem

  • inneren Gerstenkorn (Hordeolum internum)
    Am häufigsten liegt eine Entzündung der tiefer im Augenlid gelegenen Meibom-Drüsen vor. Oft ist das Gerstenkorn erst beim Umklappen des Augenlids erkennbar.

  • äußeren Gerstenkorn (Hordeolum externum)
    Hier entzünden sich entweder die Zeis- oder die Moll-Drüsen an der Außenseite des Augenlids.

 

Oftmals tritt ein Gerstenkorn auch bei unreiner Haut oder Akne auf. Daneben können aber auch eine mangelnde Hygiene beim Nutzen von Kontaktlinsen oder beim Schminken mögliche Ursachen sein. Weiterhin kann auch ein geschwächtes Immunsystem die Entstehung eines Gerstenkorns begünstigen. Nicht selten steckt eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) dahinter. Bildet sich ein Gerstenkorn häufiger oder treten gleichzeitig mehrere Gerstenkörner auf sprechen Mediziner von Hordeolosis. Letztere sollten stets ärztlich abgeklärt werden.

 

Symptome

Typische Anzeichen für ein Gerstenkorn ist ein rötlicher und mit Eiter gefüllter Knoten, der einen an einen Eiterpickel erinnern lässt. Der mit Eiter gefüllte Knoten verursacht neben einem unangenehmen Spannungsgefühl mitunter auch starke Schmerzen. Meist ist das Augenlid gerötet. Das gesamte Augenlid kann aber auch so stark anschwellen, dass das Auge selbst nicht mehr sichtbar ist. Einstweilen können auch ein starker Juckreiz und eine erhebliche Druckempfindlichkeit auftreten.

Der typische Eiterpickel öffnet sich meist innerhalb einer Woche und der angesammelte Eiter tritt von selbst aus. Im Anschluss bildet sich die Entzündung zurück und heilt nach einiger Zeit in den meisten Fällen vollkommen ab.

 

Behandlung

Eine Therapie bzw. Behandlung ist bei einem Gerstenkorn nicht zwingend erforderlich. Wichtig ist allerdings, dass man keinesfalls den Versuch unternimmt, das Hordeolum auszudrücken. Denn dadurch können neue Bakterien in den Entzündungsherd gelangen und diesen verschlimmern. Grundsätzlich heißt es erst einmal abwarten und sich in Geduld üben. In aller Regel ist ärztliche Hilfe meist nicht nötig.

Um die Bakterien in den Griff zu bekommen, können desinfizierende (antiseptische), rezeptfreie Augentropfen und Salben helfen. Besonders wichtig ist es, sich regelmäßig die Hände zu waschen, besonders vor und nach dem Berühren der Augen. Ansonsten kann sich die Entzündung rasch ausbreiten und auch das andere Auge befallen. Da die für das Gerstenkorn verantwortlichen Erreger ansteckend sind, sollte man auf getrennte Benutzung von Handtüchern achten und häufig die Hände waschen.

Wer nicht auf Tropfen oder Salben zurückgreifen möchte, kann auch auf folgende Hausmittel setzen:

  • Rotlichtlampe
    Mehrmals täglich für etwa fünf bis zehn Minuten mit geschlossenen Augen mit trockener Wärme bestrahlen, kann bewirken, dass sich das Gerstenkorn schneller öffnet und somit ein schnellerer Abheilungsprozess erfolgt.

  • Quark-Kompresse
    Quark gilt als ein bewährtes Hausmittel bei Entzündungen. Für dessen Anwendung wird er auf ein Leinentuch verstrichen und die Auflage wird für circa zehn Minuten auf das geschlossene Auge gelegt.

  • Schwarztee
    Die Gerbstoffe im schwarzen Tee können die Heilung fördern. Hierfür wird ein Teebeutel kurz in kochendes Wasser gehalten und nach dessen Abkühlung für etwa zehn Minuten auf das geschlossene Augenlid gelegt.

  • Aufguss mit Augentrostkraut
    Augentrostkraut ist in Reformhäusern und Apotheken erhältlich. Daraus bereitet man einen Tee auf, lässt ihn abkühlen und betupft damit mehrfach täglich das betroffene Augenlid.

  • Bockshornkleesamen
    Die Wirkstoffe des Bockshornkleesamens sollen dem Gewebe Flüssigkeit entziehen. Infolge dessen wird das Gerstenkorn ausgetrocknet. Hierzu wird ein Leinentuch in den abgekühlten Aufguss getränkt und im Anschluss auf das geschlossene Augenlid gelegt.

 

Die Behandlung eines Gerstenkorns mit Antibiotika ist nur dann notwendig, wenn sich die Entzündung ausgebreitet hat. In sehr seltenen Fällen öffnet sich das Gerstenkorn nicht von alleine und die Entzündung dauert länger als eine Woche. In diesem Fall ist ein kleiner Eingriff durch einen Augenarzt notwendig. Dieser öffnet unter örtlicher Betäubung mit einem kleinen Schnitt das Gerstenkorn, so dass der Eiter abließen kann.

Breitet sich die Entzündung jedoch aus, kann sie in sehr seltenen Fällen auch Komplikationen wie eine Entzündung der Bindehaut, Entzündung der Augenhöhle oder ein Lidabszess hervorrufen. Betroffene sollten dann sofort einen Augenarzt aufsuchen. Ebenfalls auch, wenn sich Kopfschmerzen, Fieber, geschwollene Lymphknoten oder ein allgemeines Krankheitsgefühlt einstellen.

 

Vorbeugung

Eine geschwächte Immunabwehr ist ein Risikofaktor und begünstigt die Entstehung von Gerstenkörnern. Aus diesem Grunde sind zur Vorbeugung alle Maßnahmen ratsam, die das Immunsystem stärken. Hierzu gehören, eine gesunde und ausgewogene Ernährung, Bewegung an der frischen Luft und Fitness, ausreichender Schlaf, Verzicht auf Alkohol und Nikotin sowie ein kluges Stressmanagement. Zudem sollten Zugluft und Zigarettenrauch vermieden werden und auf eine angemessene Hand- und Augenhygiene geachtet werden.

 

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